Angaben zu jungen Flüchtlingen in Mainz

Im folgenden Dokument finden Sie statistische Angaben zu jungen Flüchtlingen in Mainz. Diese Angaben beziehen sich auf umA, für die für die das Amt für Jugend und Familie Mainz jugendhilferechtlich zuständig ist:

Angaben zu jungen Flüchtlingen in Mainz

Kommentar von Franz Hamburger
Situation der UMA

  1. Die vom Jugendamt zur Verfügung gestellten Statistiken beruhen auf einer sorgfältigen und aufwendigen Erfassung und Aufbereitung von Daten. Die Mainzer Initiativen in der Flüchtlingsarbeit sind dafür sehr dankbar.
  2. Die Daten sind für einen bestimmten und angegebenen Stichtag festgehalten. In einen fortlaufenden Prozess wird ein „Stich“ gemacht und der Prozess statistisch unterbrochen. Die Daten ändern sich fortlaufend. Deshalb ist es nicht ergiebig an kleinen Größen (unbestimmten Restgrößen beispielsweise) Interpretationen festzumachen. Die Struktur der Daten ändert sich in der Regel nur langsam oder gar nicht.
  3. Bei den unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) ist die Struktur relativ gleichbleibend über einen längeren Zeitraum, was Umfang und Zuständigkeit des Mainzer Jugendamts betrifft. Gegenüber früheren Angaben hat sich der Anteil der Mädchen und jungen Frauen leicht erhöht. Die Altersgruppe der 18-Jährigen dominiert, auch hier ist eine Verschiebung nach oben gegenüber früheren Statistiken festzuhalten. Die Gruppe der minderjährigen Kinder ist sehr klein. Bemerkenswert und jugendhilfepolitisch lobenswert ist der Umstand, dass auch Heranwachsende betreut werden, wenn im Einzelfall eine Unterstützung erforderlich ist. Das ist eine verantwortungsvolle Praxis – im Vergleich mit anderen Jugendämtern, die 18-Jährige pauschal aus der Jugendhilfe auch dann entlassen, wenn eine weitere erzieherische Hilfe angebracht wäre.
  4. Mehr als die Hälfte der UMA kommen in Mainz aus Afghanistan, selbst die syrischen Jugendlichen sind mit 10% eine kleine Gruppe. Es ist besonders schmerzlich zu erleben, dass gerade die Jugendlichen aus einem Land, das seit 30 Jahren durch einen Krieg zerstört wird, bei einer Reihe von Sachverhalten von der Förderung ausgeschlossen sind. Wer den täglichen Krieg in Afghanistan vor Augen hat, muss dies als himmelschreiende Ungerechtigkeit bezeichnen (Bei den Terrorakten am 24.2.2018 wurde die Mutter eines bei Mainz untergebrachten Jugendlichen getötet. Der Vater ist seit zwei Jahren verschwunden; die Familie wusste nicht, ob er noch lebt. Jetzt sind die beiden jüngeren Geschwister dieses Jugendlichen in Afghanistan allein. Er hat jetzt nichts mehr außer der Unterstützung durch Freunde und die Jugendhilfe).
  5. Der Rechtsstatus ist in knapp der Hälfte relativ gesichert; es kommt jetzt darauf an. Dass auch die Jugendlichen mit „Gestattung“ eine Erlaubnis bekommen und die Duldungen durch einen besseren Status ersetzt werden. Bei der Unterbringung sollte die Unterbringung in einer GU, wenn es dafür nicht besondere Gründe gibt, durch die Unterbringung in einer betreuten Wohnung ersetzt werden.
  6. Die schulische Versorgung ist kaum zufriedenstellend. Die Allgemeinbildenden Schulen haben überwiegend die Integration von Kindern und Jugendlichen abgewehrt, die Jugendlichen befinden sich überwiegend in „Vorbereitungsmaßnahmen“. Diese ermöglichen und verlangsamen in der Regel gleichzeitig die Bildungsintegration. Die Ausbildungsverhältnisse sind noch marginal, die Maßnahmen in Mainz ausgeprägter als bei Unterbringung außerhalb. (Die Unterbringung „außerhalb“ ergibt sich aus dem Mechanismus, dass UMA nach einem Schlüssel auf die Bundesländer und Gemeinden verteilt werden, aber dann nicht unbedingt sich dort auch aufhalten müssen). Problemstellen der schulischen Versorgung können aus der Statistik nur ansatzweise erkannt werden; das besondere Problem der fehlenden Unterstützung zur Bewältigung der schulischen Anforderungen wird von den ehrenamtlich Tätigen genauer erfasst – und zu bewältigen versucht.

Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Gemeinschaftsunterkünften in Mainz

  1. Housing area und Zwerchallee weisen die höchsten Anteile an Kindern und Jugendlichen auf. Aber in allen Unterkünften gibt es Kinder und Jugendliche. Gerade dort, wo sie einen kleinen Anteil ausmachen, ist die Aufmerksamkeit für ihr Wohl gefordert. Aus der vorliegenden Statistik ist nicht ersichtlich, welchen Anteil insgesamt die Kinder und Jugendlichen ausmachen. Die Verteilung besonderer Angebote für Familien („Familiencoach“) scheint gerechtfertigt.
  2. Auch bei den Kindern und Jugendlichen in den Gemeinschaftsunterkünften bilden diejenigen aus Afghanistan die größte Gruppe. Bemerkenswert ist hier der relativ hohe Anteil von Familien aus Ländern, die in der generellen Flüchtlingsstatistik weniger repräsentiert sind. Generell muss man sagen, dass sich die Aufmerksamkeit in Deutschland vor allem auf die „großen“ Gruppen richtet, schon eingetretene Dynamiken der Zuwanderung aber vernachlässigt werden und damit auch die vorausschauende Aufmerksamkeit auf gerade entstehende Fluchtursachen vernachlässigt wird. Hervorzuheben ist der relativ hohe Anteil an Aufenthaltserlaubnissen.
  3. Beim Bildungsstatus der schulpflichtigen Minderjährigen zeigt sich erneut die Abwehr der Allgemeinbildenden Schulen (außer der Grundschule natürlich). Festzuhalten ist, dass nach verschiedenen Untersuchungen der Bildungsstatus der Elterngeneration, besonders aus Syrien, deutlich höher ist als der Bildungsstatus, den ihre Kinder erreichen. Würde die Sprachförderung und die frühe, zumindest partielle Integration in die Schulen intensiver betrieben werden, könnte sich die Bildungssituation anders entwickeln. Wie bei allen Zuwanderungsbewegungen der Vergangenheit schützt das Bildungssystem mit seinen Abwehrmechanismen die einheimischen Schüler vor der Konkurrenz der zugewanderten Schüler.
  4. Die Verteilung auf die einzelnen Schulen kann angemessen nur interpretiert werden, wenn sie in Relation gesetzt wird zu den Wohnorten der schulpflichtigen Minderjährigen. Aber diesbezüglich ist kaum mit Überraschungen zu rechnen. Hier wie dort, wo Kinder nicht schulisch versorgt sind, ist die Aufmerksamkeit und Unterstützung vor Ort wichtig.

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